Bd. xiv · Heft № 2 / 2026 Fictio quasi vera ·
Unwahre Geschichten Periodical für erfundene Erzählungen — Bd. xiv —

§ Über das Periodical

Ein Periodical für erfundene Erzählungen.

Unwahre Geschichten ist ein deutschsprachiges Vierteljahres-Periodical für erfundene Erzählungen, fingierte Buchbesprechungen, sorgfältig ausgearbeitete Gerüchte, Definitionen nicht existierender Begriffe, hinzugedichtete Korrespondenz und sehr kurze Texte (Tableaux). Wir stehen in der Tradition, die Jorge Luis Borges in „Tlön, Uqbar, Orbis Tertius" und Stanisław Lem in „Die vollkommene Leere" entwickelt haben: das ernsthaft präsentierte Fiktive. Italo Calvino, Roberto Bolaño („Die Naziliteratur in Amerika"), Donald Barthelme, und im deutschsprachigen Raum Wolfgang Hilbig, Helga M. Novak und Marcel Beyer sind weitere Bezugspunkte.

Vier Hefte im Jahr

Das Periodical erscheint vierteljährlich. Jedes Heft enthält sechs bis zehn Beiträge in den sechs Sektionen des Hauses. Wir nummerieren alle Erzählungen fortlaufend seit Heft №1 / 2007 — eine Erzählung in diesem Heft trägt zum Beispiel die Fallzahl №147. Das aktuelle Heft № 2 / 2026 (Band xiv) enthält Beiträge in allen sechs Sektionen, mit einem leichten Schwerpunkt im Glossar-Ressort und einer längeren Korrespondenz-Folge zwischen zwei tatsächlich existierenden, mutmaßlich aber nie persönlich bekannten Naturforschern des 18. Jahrhunderts.

Was bedeutet „erklärtermaßen unwahr"?

Wir bezeichnen die Inhalte dieses Periodicals als unwahr, weil das ehrlicher ist als die Bezeichnung Fiktion und gleichzeitig die Form genauer trifft. Wir schreiben Texte, die behaupten, was nicht der Fall ist — und überlassen es der Leserin, die Erkenntnis dessen selbst zu vollziehen. Wir entschuldigen das nicht. Wir geben keine Warnhinweise innerhalb der Texte. Wir setzen am Ende jeder Erzählung kein „Diese Geschichte ist erfunden". Wenn ein Brief zwischen Goethe und Carl Friedrich Gauß erscheint (Heft xii, Sektion v), datiert auf den 14. Oktober 1827, dann ist dieser Brief in genau dem Maße echt, in dem das gesamte Periodical sich erklärt hat: nicht echt.

Dies ist eine literarische Form, keine Verschwörungs-Übung. Wir verlangen vom Lesen Aufmerksamkeit — eine etwas andere Aufmerksamkeit als die, die ein konventionelles Magazin verlangt. Wer hier liest, weiß: das Wahre an diesem Heft ist die Geste seiner Wahrheits-Verweigerung. Das Übrige ist Literatur.

Sechs Sektionen

Das Heft gliedert sich in Erzählungen (durchnummerierte Kurzprosa, die Kernform), Apokrypha (Rezensionen nicht existierender Bücher in der Lem-Tradition), Gerüchte (sorgfältig ausgearbeitete urbane Legenden), Glossar (Definitionen erfundener Begriffe), Korrespondenz (Briefe zwischen historischen Personen, von uns hinzugedichtet) und Tableaux (sehr kurze Texte, Einzelszenen, Mikrofiction). Nicht jedes Heft füllt alle sechs Sektionen gleichmäßig.

Gastbeiträge

Das Periodical nimmt Gastbeiträge an. Wer eine Erzählung erfunden hat, eine fingierte Rezension verfasst, ein Glossar-Lemma ausgearbeitet oder ein Tableau geschrieben hat, sendet eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten gewöhnlich innerhalb einer Woche. Tableaux sind besonders willkommen, weil sie die Stelle besetzen, an der die anderen Sektionen sonst Pausen hätten.

Sämtliche Inhalte sind erklärtermaßen unwahr — das ist nicht der Mangel, das ist die Form. §